Das Facettensyndrom (Facettengelenksyndrom, Wirbelgelenkarthrose)

Als Facettensydrom bezeichnet man die Entzündung der Facettengelenke (Wirbelgelenke). Aufgrund von Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken ist das Facettensystem eine häufige Ursache von Rückenschmerzen. Informieren sie nachfolgend über Smyptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten des Facettensyndroms.

Wo befinden sich die Facettengelenke und welche Aufgabe haben Sie?

Die Facettengelenke verbinden die Wirbelbögen zweier benachbarter Wirbel miteinander und sind paarig angelegt, das heißt es gibt ein linkes und ein rechtes Facettengelenk. Sie sind im hinteren Bereich der Wirbelsäule gelegen. Immerhin 20% der axialen Gesamtlast wird von den Facettengelenken aufgenommen. Diese Gesamtlast entspricht durch den Zug der Rücken- und Bauchmuskulatur einem Vielfachen des Körpergewichtes. Entsprechend dick ist der Gelenkknorpel der Facettengelenke, verglichen mit der Größe des Gelenkes, ist es der dickste Gelenkknorpel im menschlichen Körper überhaupt.

Die Facettengelenke haben eine Gelenkkapsel, welche die knöchernen Gelenkpartner nur locker umgibt. So ermöglicht die relativ schlaffe Kapsel den großen Bewegungsumfang der Wirbelsäule. Gleichzeitig wird einem bestimmten Segment der Wirbelsäule die mögliche Bewegung auch durch die Stellung der Facettengelenke vorgegeben. Diese Stellung der Facettengelenke variiert je nach Wirbelsäulenabschnitt. Während sie an der Lendenwirbelsäule ca. 45 ° zur Frontalachse geneigt sind und damit vor allem die Rotation einschränken, so lagern sie sich an der Brust- und Lendenwirbelsäule wie Dachziegel übereinander. Diese Dachziegel sind an der Halswirbelsäule eher horizontal und an der Brustwirbelsäule eher vertikal angeordnet. An der Halswirbelsäule ist daher die Beweglichkeit zwischen zwei Wirbeln sehr hoch. Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule dagegen ist auch durch den anhängenden knöchernen Brustkorb reduziert. Die Stellung der Facettengelenke erlaubt hier vor allem die Rotation, eine Seitneigung ist dagegen kaum möglich.

Da die Facettengelenke anatomisch hinter den Bandscheiben liegen, werden sie besonders bei Rückneige des Rumpfes beansprucht (z.B. beim Aufschlag im Tennis oder bei Überkopfarbeiten).

Was ist eine Arthrose der Facettengelenke?

Wie bei jedem anderen Gelenk unseres Körpers verschleißt auch der Knorpel der Facettengelenke mit der Zeit und es entsteht Arthrose. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Gelenkknorpel der Facettengelenke keine eigene Blutzufuhr besitzt und daher über das Blut direkt keine Nährstoffe erhalten kann. Die Ernährung ebenso wie der Abtransport von Stoffwechselprodukten erfolgt über das benachbarte Gewebe. Dabei wandern Nährstoffe entlang eines Konzentrationsgradienten in den Knorpel ein. Auf dieselbe Art und Weise verlassen Abbauprodukte des Stoffwechsels den Gelenkknorpel in die andere Richtung. Bewegung und dosierte Belastung sind daher für die Ernährung des Gelenkknorpels der Facettengelenke sehr wichtig. Bewegungsmangel aber auch übermäßige Belastung behindern die Ernährung des Knorpels und es kommt zum Untergang von Knorpelzellen, also zur Arthrose.

Neben einer verminderten Knorpeldicke kommt es bei der Arthrose zu stabilisierenden knöchernen Anbauten an das Facettengelenk und zu einer vermehrten Produktion von Gelenkflüssigkeit, um die Funktion der Facettengelenke (Stabilität und Bewegung) aufrecht zu erhalten. Die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit kann zu Aussackungen der Gelenkkapsel führen, sogenannten Facettengelenk-Zysten. Wenn diese Zysten in den Wirbelkanal hineinragen, dann können Sie auf die dort verlaufenden Nervenwurzeln drücken und sogar Schmerzen, Taubheit oder Lähmungen im Bein verursachen.

Was ist das Facettensyndrom?

Typischerweise jedoch verursacht die Arthrose der Facettengelenke einen Kreuzschmerz, der bei Rückneige des Rumpfes zunimmt. Zudem kommt es zu einer sogenannten „pseudoradikulären“ Schmerzausstrahlung. Dies bedeutet, dass Schmerzen im Bein auftreten, die wie ein Nervenschmerz imponieren. In Wirklichkeit ist es jedoch ein übertragener Schmerz aus dem Facettengelenk, der über das Gesäß in den hinteren Oberschenkel, manchmal auch in die Leiste ausstrahlen kann.

Wie kann ich ein Facettensyndrom diagnostizieren?

Neben der Beurteilung bildgebender Verfahren wie einem Röntgenbild und/oder einer MRT der Lendenwirbelsäule kann der Arzt durch die gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums an die Facettengelenke das schmerzende Facettengelenk identifizieren (die sogenannte Etagendiagnostik). Dabei muss jedes Segment einzeln überprüft werden. Injiziert man das Lokalanästhetikum gleichzeitig an mehrere Facettengelenke, kann man im Nachhinein unmöglich sagen, welche Etage nun eigentlich die Beschwerden verursacht hat.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Ist das schmerzende Facettengelenk identifiziert, so gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Zunächst wird man versuchen, über die Einnahme entzündungshemmend wirkender Tabletten, sogenannter nicht-steroidaler Antiphlogistika (NSAR, wie Ibuprofen oder Diclofenac), die lokale Reizung der Facettengelenke zu beseitigen. Führt dies nicht zum Erfolg, so empfiehlt sich die lokale Injektionstherapie mit einer geringen Menge Kortison. Dies führt über die lokale Erhöhung der Wirkstoffkonzentration zu einer schnelleren und nachhaltigeren Entzündungshemmung.

Was versteht man unter einer Facettendenervation?

Sollte trotz mehrfacher Injektionen keine langfristige Beschwerdelinderung erzielt werden, so hat man mit der Facettendenervation eine wirksame Alternative zur Injektionstherapie. Das Verfahren wurde erstmals 1974 von Shealy beschrieben und seither mehrfach modifiziert.

Bei der Facettendenervation wird der kleine Nervenast, welcher das Facettengelenk sensibel versorgt und für die Schmerz-Weiterleitung verantwortlich ist, geschädigt (medialer Anteil des hinteren Spinalnervenastes). Diese Schädigung erfolgt entweder durch Kälte oder durch Hitze. Dies führt zum Untergang der Eiweißmoleküle im Nerven, das heißt der Nerv wird dabei nicht dauerhaft durchtrennt. Dennoch wird die Schmerzleitung für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren unterbrochen. Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt und erfordert weder Narkose noch Skalpell. Unter Röntgenkontrolle werden in Lokalanästhesie Hohlnadeln in der Nähe des Nervs platziert. Durch diese Nadeln kann eine Thermo- oder Kryosonde an den Nerv herangeführt und so die Denervation durchgeführt werden. Nach einer Testphase zur Optimierung der Position der Sonde wird bei der Thermokoagulation eine Temperatur von 80° in der Nähe des Nerven erzeugt, hierdurch kommt es zum Untergang der Eiweißmoleküle des Nerven. Bei der Kryodenervation erfolgt die Schädigung durch Kälte (-60°). Nach einer kurzen Beobachtungsphase können die Patienten am selben Tag wieder nach Hause. Das Verfahren kann nach zwei Jahren problemlos in gleicher Weise wiederholt werden.

Sind die Facettenschmerzen Ausdruck einer segmentalen Instabilität, so bleibt bei Versagen der konservativen Therapie lediglich die operative Versteifung des instabilen und schmerzverursachenden Wirbelsäulenabschnitts.


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