Lumbale Wirbelkanaleinengung (Spinalkanalstenose) | Informationen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Bei der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ kommt es zu einer Verkürzung der Gehstrecke durch ein Schweregefühl der Beine und ausstrahlende Schmerzen. So werden regelmäßige Erholungspausen nötig. Nach einer Weile bessern sich die Beschwerden und man kann weiter gehen, bis wieder eine Pause benötigt wird. Man kennt diese Beschwerden von Durchblutungsstörungen der Beine bei verkalkten Beinarterien. Eine Einengung des Wirbelkanals an der Lendenwirbelsäule kann aber ganz ähnliche Symptome hervorrufen. Hier ist oftmals nur die schonende operative Erweiterung des Wirbelkanales in der Lage, die Beschwerden dauerhaft zu beseitigen.

Wie kommt es zur lumbalen Spinalkanalstenose?

Im Laufe des Alterungsprozesses kommt es überall im Körper zu Verschleißerscheinungen, so auch an der Wirbelsäule. Diese Verschleißkaskade läuft immer nach einem bestimmten Schema ab:

  1. Zunächst verlieren die Bandscheiben allmählich ihre Fähigkeit Wasser zu binden. Dadurch können sie nicht mehr ausreichend die Belastungen der Wirbelsäule abfedern und verlieren an Höhe. Außerdem wölben sie sich nach hinten in den Wirbelkanal vor.
  2. Der Höhenverlust der Bandscheiben führt auch dazu, dass die paarig angelegten kleinen Wirbelgelenke ineinander gleiten wie ein Teleskop. Dadurch wird die Belastung der Wirbelgelenke erhöht und die Gelenkkapseln verlieren ihre Spannung. Außerdem nimmt die Querschnittsfläche der Nervenaustrittslöcher ab, so dass der abgehende Nerv eingeengt wird.
  3. Schreitet der Höhenverlust der Bandscheibe weiter fort, so erschlaffen auch die stabilisierenden Bänder der Wirbelsäule. Hier ist vor allem das gelbe Band zu nennen, welches sich zwischen den einzelnen Wirbelbögen aufspannt. Durch die Annäherung der benachbarten Wirbelbögen wölbt sich das gelbe Band in den Wirbelkanal vor und engt ihn weiter ein.
  4. Die Kombination dieser Veränderungen führt im Bewegungssegment aus zwei Wirbeln und der dazwischen liegenden Bandscheibe letztendlich zu einer Instabilität. Diese Instabilität verursacht Rückenschmerzen. Der Körper macht nun etwas sehr Sinnvolles – er versucht das instabil gewordene Bewegungssegment wieder zu stabilisieren. Dies gelingt ihm durch Anbau von Knochen. So werden knöcherne Spangen zwischen den benachbarten Wirbeln ausgebildet, welche schließlich dazu führen, dass das Segment versteift – der Instabilitätsschmerz lässt nach. Man spricht auch von der „segensreichen Versteifung des Alters“. Allerdings wird dieser zusätzliche Knochen nicht nur außerhalb der Wirbelsäule gebildet, wo er wenig Schaden anrichten kann, sondern es kommt auch zum Knochenanbau auf der Innenseite des Wirbelkanals - so entsteht hier eine knöcherne Einengung.

Wie wird die lumbale Spinalkanalstenose diagnostiziert?

Die Engstelle des Wirbelkanals muss von den im Wirbelkanal liegenden Nervenwurzeln passiert werden. Wie bei einer Sanduhr werden diese dabei zusammengedrückt. Dies führt zur sogenannten „Schaufensterkrankheit“. Es wird - oftmals schon nach wenigen Metern Gehstrecke – ein Schweregefühl beider Beine beschrieben. Außerdem kann es zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und im schlimmsten Fall auch einer Schwäche der Beinmuskulatur kommen. In der Regel hilft es den Betroffenen, wenn sie sich während der Gangpause nach vorne neigen, weil sie damit die Bänder der Wirbelsäule anspannen und diese sich dann nicht mehr in den Wirbelkanal vorwölben.

Im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall treten diese Symptome nicht plötzlich auf sondern entwickeln sich allmählich und nehmen in der Regel über die Jahre an Intensität zu.

Der Untersuchungsbefund bei der lumbalen Spinalkanalstenose ist in der Ausprägung der Beschwerden sehr variabel, er muss daher durch eine Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule ergänzt werden, um die Diagnose zu sichern. Die Kernspintomographie ermöglicht ohne Anwendung von Röntgenstrahlung die detailgenaue Darstellung des Wirbelkanaldurchmessers und sämtlicher Ursachen einer Einengung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der lumbalen Spinalkanalstenose?

Ein konservativer Behandlungsversuch ist fast in jedem Fall gerechtfertigt. Krankengymnastik kräftigt die Rücken- und Rumpfmuskulatur und stabilisiert damit die Lendenwirbelsäule. Physikalische Therapie fördert die lokale Durchblutung, dies wirkt schmerzhemmend und entspannt die Muskulatur. Entzündungs- und schmerzstillende Tabletten kommen zum Einsatz. In der nächsten Therapiestufe wenden wir Injektionen in den Wirbelkanal, die sogenannte „Single Shot Peridural Anästhesie“ (SSPDA) an. Hierbei kann der Wirbelsäulenspezialist schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente direkt an die betroffenen Nervenwurzeln spritzen. In der Regel kommen 3-4 Injektionen im Abstand von einer Woche zum Einsatz. Es hängt vom Ausmaß der Wirbelkanalstenose ab, wie lange die Patienten von der Spritze profitieren. Bei manchen Patienten wird dauerhaft ein schmerzfreier Zustand erreicht, andere profitieren nur kurz. An den anatomischen Veränderungen, nämlich der Enge im Wirbelkanal ändert die konservative Therapie aber nichts, anders als beim Bandscheibenvorfall ist daher für eine dauerhafte Schmerzlinderung oftmals die mikrochirurgische Dekompressionsoperation des Wirbelkanals vonnöten.

Was geschieht bei der mikrochirurgischen Dekompressionsoperation bei lumbaler Spinalkanalstenose?

Bei der mikrochirurgischen Dekompressionsoperation schafft der Wirbelsäulenchirurg wieder Platz für die im Wirbelkanal verlaufenden Nervenbahnen. In der Klinik am Ring wird die Operation mikrochirurgisch über einen minimal-invasiven Zugang unter dem Operationsmikroskop durchgeführt.

Durch die mikrochirurgische Operationstechnik bleiben den Patienten nach der Operation lange Narben und Schmerzen erspart. Die Mobilisation beginnt bereits am ersten Tag nach der Operation. Dabei erlernt der Patient Techniken, die es ihm ermöglichen, sich im Alltag rückenschonend zu bewegen. Sitzen ist sofort möglich. Wurden mehrere Höhen dekomprimiert kommt nach der Operation ein Mieder für sechs Wochen zum Einsatz. Der Krankenhausaufenthalt dauert ca. 5 Tage. Schwimmen und Radfahren sind nach sechs Wochen wieder erlaubt, alle anderen Sportarten frühestens drei Monate nach der Operation.

Was ist ein interspinöser Spacer?

Bei der Wirbelkanalstenose wölbt sich unter Belastung das hinten zwischen den Wirbelbögen aufgespannte „gelbe Band“ in den Wirbelkanal hinein und verringert dessen Querschnitt. Wenn der Patient aber stehen bleibt und sich nach vorne beugt, „strafft“ er damit das gelbe Band und der Durchmesser des Wirbelkanals nimmt wieder zu – die Beschwerden klingen langsam ab und der Patient kann seinen Weg fortsetzen.

Es lag deshalb nahe, über eine Möglichkeit nachzudenken, wie man diesen Effekt dauerhaft hervorrufen kann, damit die Beschwerden gar nicht erst entstehen. Die Idee wurde geboren, zwischen die Dornfortsätze zweier Wirbel einen Platzhalter, einen sogenannten „Spacer“ einzusetzen. Dieser „beugt“ das Bewegungssegment nach vorne, strafft dabei die Bänder an der Rückseite der Wirbelsäule und vergrößert dadurch den Durchmesser des Wirbelkanales.

Ein solcher Spacer wird über eine kleine Inzision eingebracht und kann, für sich allein, den Zeitpunkt einer Dekompressions-Operation um einige Jahre nach hinten verlegen, wenn die Wirbelkanalstenose hauptsächlich durch eine Vorwölbung des gelben Bandes verursacht wird. Bei knöchernen Wirbelkanalstenosen kann er im Anschluss an eine Dekompressions-Operation eingebracht werden um eine Instabilität des Bewegungssegmentes zu verhindern. Ob ein Spacer erfolgversprechend eingesetzt werden kann muss bei jedem Patienten individuell besprochen werden.

Wann ist zusätzlich zur Dekompression des Wirbelkanales noch eine Stabilisierung des Bewegungssegmentes zu erwägen?

Durch eine Dekompression des Wirbelkanals kann ein in die Beine ausstrahlender Schmerz sehr gut gebessert werden. Werden gleichzeitig Rückenschmerzen beklagt oder stehen die Rückenschmerzen sogar im Vordergrund der Beschwerden, so ist eine Dekompression allein nicht das Mittel der Wahl, denn die Rückenschmerzen werden durch die Instabilität des Bewegungssegmentes verursacht. Diese kann gut in seitlichen Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule in Vor- und Rückneige dargestellt werden. Kann eine Infiltration der kleinen Wirbelgelenke auf der Höhe der Instabilität die Rückenschmerzen lindern, so ist dies ein weiterer wichtiger Hinweis, dass hier die Ursache der beklagten Rückenschmerzen liegt. In Fällen mit einer segmentalen Instabilität ist es daher erforderlich, das Bewegungssegment zu stabilisieren. Was es damit auf sich hat, lesen Sie bitte hier.


Hier finden sie weitere Informationen zu folgenden Themen: