Bandscheibenvorfall: Ursachen, Diagnose & Therapie

Alleine in Deutschland werden jährlich 800.000 Bandscheibenvorfälle diagnostiziert. Die Mehrzahl der Betroffenen können mit konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Medikamenten oder gezielten Infiltrationen an die betroffene Nervenwurzel erfolgreich behandelt werden. Erst an letzter Stelle steht die Operation. Ziel ist es immer, Schmerzfreiheit und Beweglichkeit wieder zu erreichen, um die aktive Teilnahme des Patienten in Beruf und Freizeit zu gewährleisten.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Altersbedingter Verschleiß, Fehlhaltungen oder dauerhafte, einseitige Belastung können dazu führen, dass die Bandscheiben zunehmend austrocknen und an Elastizität verlieren. Ihre Pufferwirkung lässt mit der Zeit nach und es entstehen kleine Einrisse im äußeren Faserring. Kommt es nun zu einer ungünstigen Belastung auf die Bandscheibe - zum Beispiel durch schweres Heben oder eine ruckartige Drehbewegung des Rumpfes - kann sich ein Teil des gallertigen Bandscheibenkerns aus dem bereits geschädigten Faserring pressen und in den Wirbelkanal gelangen. Drückt dabei die ausgetretene Gallertmasse auf eine Nervenwurzel, kommt es zu massiven Schmerzen häufig verbunden mit Sensibilitätsstörungen oder Lähmungserscheinungen. Eine Vorstufe des Vorfalls ist die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion). Dabei wölbt sich die Bandscheibe über den Rand des Wirbelkörpers während der Faserring intakt bleibt

Besonders häufig betroffen sind die Bandscheiben im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule (L4/L5) und (L5/S1) sowie im unteren Abschnitt der Halswirbelsäule (HWK 5/6 und 6/7), da hier sowohl die Belastung als auch Beweglichkeit am größten ist. Die Mehrzahl der Bandscheibenvorfälle tritt im mittleren Alter zwischen 45 und 55 Jahren auf.Die Bandscheiben zeigen bei Menschen dieser Altersklasse bereits erste Verschleißerscheinungen, verfügen jedoch noch über einen ausreichenden Quelldruck, um bei Belastung aus dem Faserring gepresst zu werden.

Welche Symptome verursacht ein Bandscheibenvorfall?

Ob ein Bandscheibenvorfall Symptome verursacht und welche Beschwerden auftreten, hängt sowohl von der Lage als auch vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalls ab.

Mögliche Symptome beim Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule:

  • Stechende Schmerzen im unteren Rücken
  • Ausstrahlung der Schmerzen über den Oberschenkel und das Kniegelenk bis in den Fuß
  • Verstärkung der SChmerzen durch Husten oder Niesen
  • Empfindungsstörungen (Ameisengefühl, Taubheit, Kribbeln)
  • Muskelschwäche und Lähmung im Bereich der Beine
  • Störung beim Wasserlassen und Stuhlgang, die mit einem Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich und auf der Innenseite der Oberschenkel verbunden sind. Diese Symptome stellen immer einen medizinischen Notfall dar und müssen sofort behandelt werden!

Mögliche Symptome beim Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule:

  • Nackenschmerz, der häufig in die Schulter oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlt
  • Taubheitsgefühl in Armen und/oder Fingern
  • Muskelschwäche und Lähmung im Bereich der Arme
  • Kopfschmerzen und SChwindel

Wie wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Am Anfang der Diagnose stehen immer eine gründliche Anamnese (Befragung) und eine umfangreiche körperliche Untersuchung des Patienten. Damit kann der Wirbelsäulenspezialist das Vorliegen sowie die Lokalisation eines Bandscheibenvorfalls mit großer Sicherheit voraussagen. Besteht der klinische Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall ist die weitere diagnostische Abklärung mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens erforderlich. Um eine exakte Aussage über Größe, Ausdehnung und Verschleißzustand der Bandscheibe zu treffen, wird heute als Untersuchungsmethode der Wahl die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Sie liefert nicht nur eine detaillierte Darstellung der Bandscheibe sondern zeigt auch, inwieweit nervale Strukturen wie Rückenmark und Nervenwurzeln vom Bandscheibenvorfall betroffen sind. Eine Röntgenuntersuchung ist weniger aussagekräftig, da nur knöcherne Strukturen wie die einzelnen Wirbelkörper, jedoch keine weichen Gewebestrukturen wie Bandscheiben und Nervengewebe dargestellt werden können.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Therapie des Bandscheibenvorfalls ist vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalls sowie der Ausprägung der Symptome und der Krankheitsdauer abhängig. In mehr als 90 Prozent der Fälle kann eine konservative Therapie mit Medikamenten und physikalischer sowie physiotherapeutischer Behandlung ausreichend sein. Um zunächst vor allem die Schmerzen zu reduzieren und die Entzündung zu bekämpfen, wird im Wirbelsäulenzentrum der KLINIK am RING begleitend zur medikamentösen Therapie die so genannte periradikuläre Therapie (PRT) eingesetzt. Hierbei werden unter bildgebender Kontrolle entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel direkt an die betroffene Nervenwurzel oder in den Wirbelkanal (peridurale Injektion (PDI) injiziert. Die PRT stellt eine sehr effektive Methode zur schnellen Schmerzreduktion dar.

Wann sollte ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

Erst wenn die Beschwerden trotz umfassender konservativer Behandlung mehr als 6 Wochen andauern oder aber der Vorfall Nerven dauerhaft zu schädigen droht, ist ein operativer Eingriff notwendig. Umgehend operiert werden sollte immer, wenn das Rückenmark hochgradig eingeengt ist und akute Lähmungen bestehen.

Bei der Bandscheibenoperation entfernt der Wirbelsäulenchirurg den in den Wirbelkanal ausgetretenen Bandscheibenvorfall. In der KLINIK am RING wird die Operation mikrochirurgisch über einen minimal-invasiven Zugang unter dem Operationsmikroskop durchgeführt. Hierzu wird auf Höhe der verletzen Bandscheibe ein ungefähr 2,5 Zentimeter langer Hautschnitt gesetzt, durch den die für den Eingriff benötigten Instrumente eingeführt werden. Die Operation dauert durchschnittlich nur 30 Minuten. Durch den Einsatz des Operationsmikroskops und der minimal-invasiven Operationstechniken sind die körperlichen Beeinträchtigungen des Patienten durch die Operation gering. Es ist in aller Regel ein Klinikaufenthalt von 3 Nächten erforderlich.


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