Lumboischialgie - Rücken Beinschmerzen

Definition einer Lumboischialgie

Unter einer Lumboischialgie versteht man Kreuzschmerzen in der Lendenwirbelsäule, welche von dort in den Ober- und Unterschenkel ausstrahlen. Wenn Schmerzen vom Rücken in das Bein ausstrahlen, so unterscheidet man radikuläre und pseudoradikuläre Schmerzen. Radikuläre Schmerzen entstehen durch die Kompression einer Nervenwurzel im Wirbelkanal (Spinalkanal), z.B. durch einen Bandscheibenvorfall. Pseudoradikuläre Schmerzen fühlen sich wie ein Nervenwurzelschmerz an, sind es aber nicht. Sie strahlen zwar auch in das Bein aus, zumeist jedoch nicht weiter als bis zum Knie. Sie entstehen auch nicht durch die Kompression einer Nervenwurzel sondern sind Gelenkschmerzen (Ileo-Sakral-Gelenk, Facettengelenk der Lendenwirbelsäule), die in den Oberschenkel ausstrahlen können.

Eine Lumboischialgie liegt definitionsgemäß nur bei radikulären Schmerzen vor und – wenn man die Begrifflichkeit genau einhält – auch nur bei der Kompression von Nervenwurzeln, welche am Ende den Ischiasnerv bilden, also der Nervenwurzeln L4, L5 und S1.

Radikuläre Schmerzen bei einer Lumboischialgie

Das Rückenmark ist kürzer als die Wirbelsäule, einfach, weil es im Laufe seiner Ausbildung mit dem Längenwachstum der Wirbelsäule nicht mitgehalten hat. Das Rückenmark endet ungefähr auf Höhe des 1. Lendenwirbels, also ungefähr knapp oberhalb des Bauchnabels. Von dort an liegt im Wirbelkanal (Spinalkanal) nicht mehr das Rückenmark selbst, sondern nur noch eine Ansammlung von Nervenwurzeln, die zu dem für sie vorgesehenen Nervenaustrittsloch (Neuroforamen) an der weiter unten gelegenen Lendenwirbelsäule ziehen. Wegen der Ähnlichkeit mit einem Pferdeschweif spricht man auch von der „Cauda equina“. Da es fünf Lendenwirbel gibt, gibt es auch Nervenaustrittslöcher auf fünf verschiedenen Segmenthöhen. Je nachdem, wo eine Nervenwurzel den Wirbelkanal Richtung Peripherie verlässt spricht man von der L1-, L2-, L3-, L4- oder L5-Nervenwurzel. Die erste aus dem Kreuzbein (lat.: Sakrum) austretende Nervenwurzel heißt S1-Nervenwurzel.

Jede dieser Nervenwurzeln hat eine klar umrissene und sehr individuelle Aufgabe. Sie leitet zum Beispiel Berührungs- und Temperaturempfinden eines ganz bestimmten auf der Hautoberfläche gelegenen Areals weiter zum Gehirn. Dieses Areal wird „Dermatom“ genannt. Aus diesem Dermatom werden auch Schmerzen über die jeweilige Nervenwurzel an das Gehirn geleitet. Deshalb kann man aus der Ausbreitung des Schmerzes Rückschlüsse auf die betroffene Nervenwurzel ziehen und damit auf die Höhe eines möglicherweise vorliegenden Bandscheibenvorfalls. Ähnlich verhält es sich mit Taubheitsgefühlen, welche sich bei Nervenwurzelkompressions-Syndromen ebenfalls auf das von der Nervenwurzel versorgte Dermatom beschränken. Zuletzt innerviert jede Nervenwurzel ganz bestimmte „Kennmuskeln“, die S1-Wurzel zum Beispiel die Wadenmuskulatur. Da wir die Wadenmuskulatur benötigen, um uns auf die Zehen zu stellen, ist eine Schwäche des Zehenspitzenstands ein deutlicher Hinweis auf eine Kompression der S1-Nervenwurzel.

Nachdem sie den Wirbelkanal (Spinalkanal) verlassen haben, bilden die Nervenwurzeln einen großen Nervenknoten, den sogenannten Plexus, aus dem die zwei großen Hauptnervenstämme entspringen, die weiter in das Bein ziehen. Diese beiden Nerven sind der vorne gelegene Femoralnerv und der hinten gelegene Ischiasnerv. Der Femoralnerv wird aus den Nervenwurzeln L1-L3 gebildet, der Ischiasnerv aus den Nervenwurzeln L4-S1. Nimmt man die Definition der Lumboischialgie also ganz genau, so entsteht sie durch Reizung der Nervenwurzel L4, L5 oder S1. Gemeinhin wird mit einer Lumboischiagie aber doch jeder Rückenschmerz in Kombination mit einem Beinschmerz beschrieben.

Ursache einer Lumboischialgie

Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das Bein ist der klassiche Hexenschuss, auch Lumbago genannt. Er entsteht vor allem durch Blockierungen in den Ileo-Sakral-Gelenken zwischen dem Becken und dem Kreuzbein und/oder durch Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) an der Lendenwirbelsäule.

Die häufigste Ursache für eine echte Lumboischiagie ist dagegen ein Bandscheibenvorfall. Dieser drückt auf die Nervenwurzel entweder direkt im Wirbelkanal oder im ohnehin engen Nervenaustrittsloch und führt zu einer entzündlichen Reizung der Nervenwurzel, welche nun Schmerzen hervorruft, die aus dem von der Nervenwurzel versorgten Dermatom zu kommen scheinen. Eine weitere Möglichkeit ist, daß durch Verschleiß an den Bandscheiben und Wirbelgelenken hervorgerufene Knochenanbauten das Nervenaustrittsloch einengen. Liegt eine höhergradige Kompression der Nervenwurzel vor, kommen Kribbelgefühle und Taubheit im betroffenen Dermatom hinzu. Desweiteren kann es bei sehr schwerer Kompression der Nervenwurzel zu Lähmungen der entsprechenden Kennmuskeln kommen.

Therapie einer Lumboischialgie

Alle symptomatischen Therapien, die bei der recht unspezifischen Lumbago helfen, nützen auch bei der Lumboischiagie:

  1. Im ganz akuten Fall hilft die Stufenbettlagerung, d.h. eine Rückenlage mit um ca. 90° angewinkelten Hüft- und Kniegelenken (z.B. durch ein großes Kissen unter den Knien).
  2. Bewegung wird zwar empfohlen, um die Mobilität zu erhalten, wirkt aber nicht so gut wie beim pseudoradikulären Schmerz der Lumbago. Im Gegenteil kann es belastungsabhängig zu einer Zunahme des Beinschmerzes kommen.
  3. Den meisten Menschen hilft lokale Wärmeanwendung (heißes Bad, Kirschkernkissen, Wärmegel, Wärmepflaster, etc.). Die Wärme entspannt die Muskulatur und wirkt dadurch schmerzlindernd.
  4. Einigen Menschen hilft eher Kälte, z.B. durch ein kühlendes Gel aus der Apotheke.
  5. Rezeptfreie Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen 400mg, etc.) können entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.

In der Regel ist aber eine ausreichende Schmerzstillung durch diese Maßnahmen nicht zu erzielen. Dann sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Sollten bereits Taubheitsgefühle und/oder Lähmungserscheinungen im Bein bestehen, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, der sich auf die Wirbelsäule spezialisiert hat. Dieser kann

  1. Stärkere Schmerzmittel in höherer Dosierung verschreiben.
  2. Krankengymnastik zur Kräftigung der Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur in Kombination mit Fango und Massagen verschreiben.
  3. Durch eine schmerzstillende und entzündungshemmende Spritze an die betroffene Nervenwurzel (PRT = Periradikuläre Therapie) für eine sehr rasche Schmerzlinderung sorgen. In der Regel ist es dabei erforderlich, die betroffene Nervenwurzel mithilfe einer Computertomographie zu lokalisieren, um sicher zu gehen, daß das Medikament auch die symptomatische Nervenwurzel erreicht.
  4. Einen möglichen Bandscheibenvorfall oder eine durch Verschleiß entstandene Enge des Nervenaustrittslochs durch eine genaue Untersuchung und bei begründetem Verdacht durch eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) diagnostizieren.
  5. Bei Vorliegen von Lähmungserscheinungen, die im Alltag hinderlich werden können oder gar eine Sturzgefahr bedeuten und/oder bei Versagen der anderen konservativen Maßnahmen mit weiterhin bestehenden starken Schmerzen im Bein den Bandscheibenvorfall mikrochirurgisch (d.h. unter dem Operationsmikroskop) entfernen und so der Nervenwurzel wieder ausreichend Platz verschaffen.Therapie einer Lumboischialgie

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